Mein Name ist Hase…

Nein, ich habe jetzt nicht den Weihnachtsmann mit dem Osterhasen vertauscht.
Es ist einfach eine Redewendung von euch Menschen für „Keine Ahnung“ oder „Ich weiß gar nicht, wovon Du sprichst“.
Dieses Spielchen kann ich hier oft erleben.
Mein Frauchen betreibt ja auch eine Hundeschule.
Hier kommen Hunde zum Unterricht (oder waren es doch die Besitzer der Hunde???) um zu lernen, wie man sich wo und wann als gut sozialisierter Hund benimmt.

Eine beliebte Trainingseinheit ist hierbei das sogenannte Rückruftraining.
Kleine süße Welpen, wie ich es ja bis vor kurzem auch noch war, ziehen bei ihren neuen Besitzern ein und lernen Sitz, lernen Platz und oft auch super schon Rolle und Pfötchen geben.
Nun mal die Frage aller Fragen…wer braucht sowas für ein wahres Hundeleben?

Nein Stopp! Ich will euch jetzt nicht erzählen, dass solche Übungen sinnlos sind. Alles schick. Es baut zumindest eine super Bindung zu uns auf. Was aber nützt euch ein Hund, der auf Befehl sitzt macht oder sekundenschnell Platz, wenn er denn gar nicht da ist und auch in keiner Weise zu euch zu bewegen ist.

Emma hier…Komm…Koooommmmm…bitte…aber jetzt…Emmmmmaaa hiiiiieeer…was soll denn das…willst du mal hören…Emma…Emma…
und in der 25. Tonlage dann nochmal Emma.
Kennt ihr sowas?
Nein?… Dann macht euch einen schönen Tag.
Ich habt bereits alles mit eurem Hund gelernt, was wirklich wichtig ist.

Ja genau, denn ein perfekter Rückruf kann lebenswichtig sein. Ihr ruft ja uns Hunde nicht wirklich einfach so zum Spaß. Ihr ruft uns, wenn ihr Gefahr im Verzug seht, wenn ihr unschöne Situationen vermeiden wollt oder auch einfach, wenn ihr unsere Nähe als richtig empfindet.
Es gibt täglich die verschiedensten Situationen, wo ihr uns ruft und es tatsächlich sehr gut angebracht ist, dass wir dann auch kommen.

Unsere kleinen Welpis hier liegen noch friedlich und ohne großen Unternehmergeist in ihrer Welpenkiste. Für sie ist derzeit wichtig, dass sie immer gut an Mamas Brust kommen und satt dabei werden. Demzufolge hält sich ihr Bewegungsdrang noch ziemlich in Grenzen.

)

Ganz anders sieht das schon aus, wenn diese Fellnasen dann neugierig und super erkundungsfreudig das Elternhaus hier verlassen und Einzug in ihr neues Heim halten.
Jetzt wird geschnüffelt und untersucht, was die Umwelt so hergibt. Draußen jagen sie gerne selbst jeden sich bewegenden Blatt hinterher. Dabei vergessen sie oft neben der Zeit auch den Raum und ruckzuck haben sie einen ziemlich großen Abstand zu ihren neuen Besitzern.
Die stehen übrigens hocherfreut daneben und finden es super süß, wie ihr Welpe tollpatschig die große weite Welt erkundet.

Plötzlich kommt ein Jogger um die Ecke und auch der will natürlich von dem Welpen eingefangen werden. Jetzt geht’s los mit dem Rufen.
Unzählige Male fliegt der Name des Welpen durch die Materie. Er wird mit Komm und Hier getunt und mit einer barschen Stimme auf Eindeutigkeit getrimmt.


Nix da…Mein Name ist Hase…
Ja Leute…aus die Maus… alles was jetzt passiert ist, dass ihr euch vor uns Hunden, vor allen Anwesenden und auch vor euch selbst total zum Clown macht.
Wir Fellnasen hören euch jetzt aus der Ferne und das durch eure Lautstärke ziemlich gut, denn auch wenn wir gerade nicht wirklich wissen, was ihr von uns wollt, sind wir ja nicht taub. Das gibt uns auf jeden Fall bei unseren gerade praktizierten Aktionen den Hinweis – Ihr seid auch noch da…also alles prima.
Was die anwesenden Menschen und ihr selbst gerade von euch haltet, lassen wir besser an dieser Stelle mal außer Betracht.

Ihr könnt also zu diesem Zeitpunkt 100 mal auch den Namen von euren Hunden rufen, es wird nicht wirklich das bringen, was ihr gerade wollt.
Wir haben gerade zu tun. Wir haben eine tolle Spur in der Nase. Wir wollen den Jogger kriegen.
Ja…wenn wir ihn dann gar nicht kriegen, kommen wir auch zurück…irgendwann…aber nicht, weil ihr gerufen habt, sondern weil unser Vorhaben erfolglos war.

Genau hier sind wir beim Punkt. Wir Hunde sind Opportunisten…immer…!!!
Oft denkt ihr Menschen, wir kommen nicht zurück, weil wir stur sind oder gar euch zeigen wollen, wer hier der Stärkere ist.
Ganz ehrlich, dass wissen wir längst…auch schon als kleiner Welpe… 😉

Dem ist nicht so. Wir sind einfach Wesen, die ihr Tun und Handeln am Erfolg orientieren.
Ganz ehrlich, an dieser Stelle war einfach den Jogger zu fangen viel interessanter als das neben euch her Getappel und somit für uns die Aussicht auf Spaß, Bewegung, Dopaminproduktion, Rausch.
Ja , wir sind dann gerade wie von Sinnen und wir finden es auch noch toll.
Es tut gut, solltet ihr Menschen auch mal probieren. Einfach mal nur machen, was Spaß macht.

Nun gut, eure Frage ist jetzt sicher, was könnt ihr tun.
Hier kommen ein paar Rapunzeltipps.
Fangt mit euren Hunden schon so früh wie möglich an, einen Rückruf positiv zu gestalten. Ich rede jetzt nicht von der „Clickergemeinschaft“. Click und Futter. Da sind wir bei einer Konditionierung und somit bei dem Ergebnis, kann, muss aber nicht funktionieren.
Bei Rückruf findet zumindest mein Frauchen wichtig, das es immer klappt.
Ruft euren Hund vorerst in ablenkungsfreien Zonen. Beginnt z.B. in der Wohnung. Rufen und loben.
Das kann hier alles sein: Streicheln, lobende Worte, mal ein Keks oder auch 3 Minuten gemeinsames Spiel mit dem Lieblingsspielzeug.

Wiederholt diese Übungen mehrmals am Tag aber nie zu lange. Ein Welpe kann sich nicht zu lange konzentrieren und auch für einen älteren Hund werden viele Wiederholungen schnell langweilig und somit fehlt die Motivation für das Lernen. Lieber öfter und kurz.
Erst wenn das richtig gut klappt, gehen wir raus.
Und hier gebe ich euch einen Tipp, den mein Frauchen schon Jahre predigt…
Kein Hund kommt von der Leine, bevor er nicht sicher abrufbar ist.
 

 
Das ist meistens das größte Problem für alle Hundehalter. Die Hunde müssen doch schnüffeln, die Hunde müssen doch Laufen und sollen Spaß haben.
Ja…aber…
Auch ihr Menschen müsst vor dem Laufen lernen erstmal aufstehen. Bis dato heißt die Fortbewegung Krabbeln. Nix anderes ist das beim Hund.
Ihr könnt ja mit uns gemeinsam Laufen und wir können dabei schnüffeln und wir können dabei gemeinsam Spaß haben.
Lauft einfach mal unkontrolliert im Zickzack oder Wendekreis, so dass euer Hund die Aufmerksamkeit von euch nicht lassen kann und somit ständig auf euch achtet.
Ein Hund, der sich als Welpe bereits verselbstständigt und alleine die weite Welt weit euch Menschen voraus erkundet, wird auch später alleine die Welt erkunden.
Vielleicht betrachtet ihr dies bei euren nächsten Spaziergang mit euren Fellnasen mal genau aus dieser Perspektive.
Die gute Nachricht, ihr braucht für ein Rückruftraining nicht extra Übungszeit. Ihr könnt es bei euren täglichen Ausflügen überall mit einbauen.
 

 

Ach ja, und wer nicht weiterkommt, meldet sich einfach mal bei meinem Frauchen zum „Nachsitzen“ in der Hundeschule an. Da könnt ihr dann sogar mal erleben, wie ich mich abrufen lasse…nämlich gar nicht… 😉

Bis morgen dann, Eure Rapunzel

« zurück zum Jahreausklang-Kalender