Nur so eine Phase…

Heute habe ich mal wieder in die Welpenkiste unserer Golden Tolling Retriever Zwerge gelauscht.
Sie sind inzwischen genau 14 Tage und wie ihr sehen könnt, nehmen die kleinen Kugeln bereits ziemlich viel Platz in ihrem noch gut behüteten Lebensraum ein.
 

 

Ja es ist eine Traumzeit, diese erste Lebensphase bei solch kleinen Fressmonstern.
Lacht nicht… Das sind Fressmonster. Die machen schließlich noch nichts außer fressen, schlafen und sich lösen.
Dabei wachsen sie natürlich auch unglaublich schnell. So werden aus den anfänglich kleinen Knautschkugeln tatsächlich innerhalb von 14 Tagen solch richtige Knuffelnasen.
Genau diese kommen inzwischen nun auch schon ein bisschen in Gang.
Während die Zwerge nach ihrer Geburt erstmal nur mit dem Tastsinn an Mutters Brust ihr Überleben sichern und durch ihr Wärmeempfinden schnell auch immer wieder den wohlige Platz am Mamabauch finden, entwickeln sich während des Überganges dieser neonatalen Phase eines Welpen in die nun folgende Übergangsphase der Geruchsinn dazu. Ausserdem öffnen sich bei diesen kleinen Fellnasen, die tatsächlich mal Hund werden wollen, nun auch Augen und Ohren.
 

 
Damit liegt uns Hunden dann die großen weite Welt zu Füßen…oder besser zu Pfoten.
Wir nehmen unsere Umwelt Stück für Stück mit allen Sinnen wahr.
Hoffentlich hat der kleine Zwerg, der mich hier gerade anblinzelt jetzt nicht einen Schock für‘ s Leben, weil er mich als erstes in seinem Leben gesehen hat. Aber mit etwas Glück war es vielleicht doch eines seiner süßen Geschwisterchen, was er noch etwas verschwommen als erstes vor seinen Linsen erblicken könnte.
Obwohl…wenn ich bei mir da mal so zurück denke…???!!!
Der erste Anblick meines frechen Bruders war auch ein ganz schöner Schock.

Meine ersten Fragen damals:
Wo bin ich?
Danach…Wer bin ich?

Ja…da hofft man immer noch, man sieht nicht auch so schrumpelig wie sein Gegenüber aus.
Aber Spaß beiseite. Mein Frauchen sagt immer…Irgendwann wird aus jedem hässlichen Entchen ein Schwan.
Oder…(wahrscheinlich als Notlösung)…Es kommt auf die inneren Werte an.
Zum Glück bin ich ja alles geworden.
Wunderschön und schlau dazu.
Ja…das könnt ihr von uns Hunden ruhig lernen.

Wir lieben uns so wie wir sind.

Wir Grübeln da nicht so viel, wie ihr Menschen.
Aber es geht weiter in unseren Entwicklungsphasen.
Mit Nase, Ohren und Augen ausgestattet beginnen wir, die Welpenkiste zu verlassen. Dazu brauchen diese kleinen Racker noch ein bisschen. Noch schleifen durch die fehlenden Aktivitäten die dicken Bäuche auf dem Boden. Damit kommt man nicht wirklich vorwärts. Mit allen Sinnen ausgestattet werden wir aber immer neugieriger und somit auch aktiv. Mit dieser Aktivität kommen ständig neue Eindrücke auf uns zu. Wir werden als winzige kleine Hunde jetzt bereits auf unsere Umwelt und Sozialkontakte geprägt. Deshalb nennt man diese Phase dann auch Prägungsphase.


Hier darf ich den Anschluss nicht verpassen. Schließlich müssen die Zwerge sich mit mir zumindest bis zu ihrem Auszug gut verstehen. Damit ist dann auch schon mal für das spätere Leben dieser Hunde klar:
Große helle Fellnasen, wie ich sind cool.
Das alles wird durch die jetzt kommende Entfaltung des Gehirns beim Hund gesteuert und durch die Bildung hoffentlich vieler Synapsen.
Eine Synapse heißt bei den Welpis also Rapunzel…(hihi)

Das ist u.a. auch dann das, was den künftigen Besitzern den Start mit ihren Welpen manchmal schwierig macht. Welpen lernen in ihrer Prägungsphase Sozialpartner kennen, die sie eben prägen. Auf unserem Hof sind das ohne Frage auch viele Hunde. Damit suchen die Welpen später natürlich immer den Kontakt auch zu anderen Hunden. Sie sind ihnen als Bindungspartner bekannt. Gute oder schlechte Erfahrungen mit unterschiedlichen Typen von Hunden sind dem Welpen bis dato fremd, denn hier auf dem Hof gab es für ihn bisher immer ein klares Sozialgefüge.

In der neuen Familie seid ihr Menschen jetzt gefragt. Natürlich kennen die Welpis hier auch Menschen. Aber auch jeder Mensch ist anders. Daher sollte der erste Weg nach der Übernahme eines Welpen nicht der sein, ihm „soviel“ wie mögliche Sozialkontakte mit anderen, auch Seinesgleichen zu verschaffen, sondern eine innige Bindung zu den neuen Besitzern aufzubauen. Für den Welpen ist es viel besser und vor allem entspannter, erstmal einen sogenannten roten Faden für das Zusammenleben in seiner Familie zu finden, bevor man die natürlich auch wichtigen Sozialkontakte erweitert.

Mit einem autoritären ( nicht mit dominierenden zu verwechseln) Menschen als Partner an seiner Seite baut man in der Sozialisierungsphase somit ein echtes Mensch – Hund – Team auf und geht anschließend gemeinsam in die Rudelordnungsphase.
So klappt’s dann auch mit dem Nachbarn.
 

 
Hand (Pfote) auf’s Herz. Es ist schon alles leichter gesagt, wie getan. Wir Hunde haben ja schließlich auch so unseren eigenen Kopf.
Die gute Nachricht dabei ist, wir sind unsagbar anpassungsfähig. Wir akzeptieren als Rudeltier eine klare Führung, wenn sie denn klar auch aus hündischer Sicht ist.
Wenn ihr Menschen also eure Grundgedanken ordnet, alles nicht so menschlich betrachtet und dann einfach auch nur hinter dem steht, was ihr wollt und sagt, gibt es ein problemloses Zusammenleben mit uns Fellnasen.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen und problemlosen Tag.

Bis morgen dann, Eure Rapunzel

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