Aufzucht & Haltung

9 02, 2017

In der Ruhe liegt die Kraft…

9. Feb 2017|

Heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, was mir in meiner Hundeschule immer öfter begegnet.
Ich denke sogar, das es oftmals ein Auslöser ist, warum wir immer mehr Hunde haben, die irgendwann nicht mehr in unsere Vorstellungen passen und wegen denen man Rat bei einem Hundetrainer sucht.

Ich durfte schon viele Hundehalter kennenlernen, die tatsächlich fast ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen um irgendwelchen Anforderungen ihrer Hunde gerecht zu werden.
Hinterfragt man mal diese Anforderungen wendet sich so manches Blatt, auch beim Hund.

Oftmals bringt man schon alleine mit dem Gedanken
„Oh…Ich muss noch mit dem Hund ne Runde drehen, der hatte heute noch gar keinen Spaß“
automatisch Hektik auch in den Hund.

Das Ergebnis:
Schon beim Griff zur Leine ist unser Vierbeiner nicht mehr zu halten.
Er springt, er bellt, er jault und rennt aufgeregt hin und her.
Sein Aktivitätslevel ist in null Komma nix auf 100.

Die Schlussfolgerung:
Unsere Gedankenwelt…Schau, er hält es kaum noch aus, nun aber schnell. Er braucht dringend seinen Auslauf.
Unsere Aktion…noch schneller machen, damit es endlich raus geht.

Das Erlernte:
Hier stellt sich die Frage… von wem?

Bei den meisten Hundehaltern setzt jetzt eine Neukoordinierung ihres Tagesablaufes ein.
Wir planen noch eine Zwischenrunde mit dem Hund, damit seine Wartezeit verkürzt wird.
Die Utensilien für den Spaziergang werden so zurechtgelegt, dass man beim Nachhause kommen nur sein Tasche in die Ecke schmeißen muss und sofort mit dem Hund starten kann.
Wir werden immer schneller und immer geschickter, um den sogenannten Anforderungen unseres Vierbeiners gerecht zu werden.

Das Lustige an der Sache ist nur…Unsere Hunde werden genau das auch.
Wir trainieren sie wie einen Sportler zu täglich höherer Kondition und immer mehr Geschicklichkeit.
Das alleine ist selbstverständlich nicht schlimm.
Wenn genau diese Konditionierung aber in die Richtung geht, dass wir Menschen von unseren Fellnasen tatsächlich bestimmt werden, läuft doch hier irgendwie was schief, oder???

Ich bin natürlich auch der Meinung, dass ein Hund das Leben eines Menschen oder einer Familie verändert.
Streckenweise sogar ziemlich gravierend, dabei aber oftmals positiv.

Man geht mit dem Hund regelmäßig raus…toll.
Man bewegt sich an der frischen Luft…super.
Man lernt viele neue Gleichgesinnte kennen…fantastisch.
Man wird sowas von freudig erwartet und das täglich und unabhängig von Stimmungen…befriedigend.

Einen Hund an seiner Seite zu haben sollte jedoch im normalen Zustand nicht unbedingt zu zusätzlichen Stress und Unruhe führen.
Wir Menschen neigen jedoch dazu, genau diesen selber zu produzieren und auf unsere Hunde zu übertragen.

Das Fazit:
Lasst uns gemeinsam viel mehr unsere Hunde beobachten.
Lasst uns dabei ihre wahren Anforderungen und ihre stets ganz individuellen Ansprüche erkennen.
Lasst uns die Zeit, die uns mit den Vierbeinern zur Verfügung steht auch gemeinsam genießen.
Lasst uns erkennen, dass Hunde gerne einfach mal nur riechen, schnüffeln, beobachten, erkunden, ruhen und kuscheln.

Ich bitte meine Zeilen nicht so zu verstehen, dass man keine Aktivitäten mit dem Hund mehr haben soll.
Im Gegenteil.
Gemeinsame Aktivitäten, die beiden Parteien Spaß machen, sind die Erfüllung für eine gute Mensch-Hund-Beziehung.
Das was meiner Meinung nach aus dem Alltag mit dem Hund raus muss ist der Druck und Stress, den wir uns bezüglich Hund oft selber machen…
dann klappt´s auch mit dem Nachbarn…upsy…mit dem Hund.

Denn:

IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT

10 11, 2015

Ball-Junkies…

10. Nov 2015|

werden erzogen, nicht geboren.

Auf dem Bild sieht man unsere Maria im Sturzflug nach einem Ball.
Viele unsere Welpeninteressenten freuen sich genau darauf:
Einen aktiven Hund, mit dem man ohne Ende Bälle und Stöckchen werfen kann und
der bei guter Erziehung diese dann auch ganz vorbildlich apportiert.
Ein Toller z.B. scheint hier ein prädestinierter Vertreter zu sein.

ABER VORSICHT!

Wenn Sie einen kleinen Welpen übernehmen, ist das Knochengerüst dieses Hundes noch weich und knorpelich.
Erst im ersten Lebensjahr verkalkt dieses vollständig und wird dadurch stabil und belastbar.

Das Werfen und Fangenlassen von Bällen u.ä. fördert ein gesteuertes Stoppen,
welches leicht auch zu einer Gefährdung und Überlastung genau dieses noch weichen Knochengerüstes führen kann.
Dazu kommt, dass ein kleiner Welpe selber bei solchen Spielen keine wirklichen Grenzen kennt
und die Besitzer dann oft nicht erkennen, wann solch ein Spiel auch mal sein Ende finden sollte.

Bei einem entsprechend temperamentvollem Hund erzeugen wir so ganz schnell selber
und meist völlig ungewollt einen Ball-Junkie.
Was am Anfang süß und niedlich wirkt, wird so schnell auch zur Gefahr.
Das Problem ist hierbei, dass solche Hunde beim Anblick des Auslösers (z.B. Ball)
ein richtiges Suchtverhalten aufweisen.
Sie nehmen in diesen Momenten die Umwelt kaum bzw. oft sogar gar nicht mehr wahr,
sind in keiner Hinsicht mehr ansprech- geschweige denn abrufbar.
Dabei können bestimmte Situationen schnell auch gefährlich für jeden Hund werden.

Ich empfehle stattdessen deshalb gerade bei einem Welpen das Spiel mit Bällen
in ein Beziehungsspiel durch Rollen und Zerren z.B. mit einem Ball an der Schnur zu beginnen.
Auch Suchspiele mit dem Ball sind gelenkschonend und machen vielen Welpen riesen Spaß.

Allen, die sich dabei jetzt Gedanken darüber machen, dass ohne das Ball werfen
sein Hund nicht genug ausgelastet wäre, sei hiermit noch gesagt,
dass gerade auch eine geistige Auslastung zum Beispiel durch Suchspiele einen Hund sehr fordert und auch müde macht.

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An dieser Stelle werfe ich als Mehrhundehalter auch immer gerne die Frage auf,
wer denn eigentlich in einem Wolfsrudel in der Natur ohne Unterlass Stöcke geworfen hat,
um die kleinen Wolfswelpen auch richtig auszulasten.
Stattdessen kann ich in meinem Welpenwürfen immer sehr viele Zerr- und Rangordnungsspiele beobachten,
in denen auch von Beginn an verschieden Signale und Korrekturen
von Mutter, Vater und auch Tanten und Onkels gesetzt werden
und somit auch beim Spielen eine gute Sozialisierung erfolgt,
nach der ein Welpe auch ohne viel Rennen zur Ruhe kommt.

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1 01, 2015

Ein kleiner Welpe zieht ein …

1. Jan 2015|

Welchen Rhythmus hat ein kleiner Welpe, wenn ich ihn abhole und wie gestalte ich die ersten Tage mit ihm?

Ein kleiner Welpe zieht ein …Aufregung pur bei den neuen Besitzern.
Was muss ich alles anschaffen? Was muss ich alles vorbereiten?
Wie plane ich meine ersten Tage mit dem Hund?

Hier eine kleine Anleitung:

Auch ein Welpe sollte sich immer dem Tagesrhythmus seiner Besitzer anpassen und nie umgedreht.
Der Rudelführer legt fest, ob und wann was stattfindet. So sind die Regeln bei einem Rudel.
Natürlich hat ein Welpe Bedürfnisse.
So bekommt ein kleines 10 Wochen-Fellknäul z.B. bei uns immer noch 4 Mahlzeiten, was wir so auch bis zur 16. Woche durchführen.
Danach gibt es bei uns 3 Mahlzeiten und ab ca. einem halben Jahr bekommt unser gut gewachsener Hund dann 2 Mahlzeiten.
Die Zeiten richten sich hier nach Ihrem Tagesablauf …!!!
So wie es hier reinpasst, wird auch das neue Familienmitglied ernährt.
Natürlich ist eine gewisse Regelmäßigkeit hier schon angebracht, denn nur so funktioniert auch der Stoffwechsel gut und mein Welpe wird dadurch dann auch schneller und leichter stubenrein.

Apropos stubenrein …
Nach dem Fressen muss der Welpe zum Lösen raus.
Ansonsten nach dem Schlafen und manchmal auch einfach mal so beim Spielen.
Das muss man beobachten und bekommt es sehr schnell mit.
Nach dem Fresschen empfiehlt sich nun eine Schlafens- bzw. Ruhephase.
Diese braucht der Welpe natürlich auch noch mehr, wie ein ausgewachsener Hund.
Also alles ganz entspannt angehen.
Sie brauchen einen Schlafplatz, Sie brauchen Halsband und Leine, Sie brauchen Futter und die Näpfe dazu und Sie brauchen etwas zum Bürsten und Pflegen, eventuell 1-2 geeignete Spielzeuge
(Gibt es übrigens alles auch in unserem Shop)
Dann kommt der kleine Feger und es geht los.

Er erschnüffelt das Revier und wird dann erstmals an seinem neuen Platz gefüttert.
Danach geht es sofort zum Löseplatz, dann ist Kuscheln und Schlafen angesagt, zu Beginn gerne auch gemeinsam … also Erholung pur …
Wenn der Welpe wieder wach und mobil wird, geht es als Erstes wieder raus und dann gibt es Spaß pur … ein bisschen Spielen, ein bisschen Toben, ein bisschen die neue Welt erkunden, ein bisschen erste Kommandos einstudieren … und schon geht das Ganze von vorne los.

Für Ruhephasen, die Sie selber benötigen gibt es eine “Revierbegrenzung” für den Welpen … sprich einen abgesperrten Platz, einen extra Raum oder einen Kennel …
Befohlene Ruhe sozusagen … ähnlich wie bei Kindern … die muss ich auch oft zum großen Glück des Mittagsschlafes zwingen. Manchmal möchte ich auch noch Kind oder auch Hund sein …
Und das war es schon.
Nach Bedarf übt man an der Leine laufen und erkundet Stück für Stück die neue Gegend … ganz wenig … ganz langsam…
Alles ganz entspannt … das ist das Wichtigste …

Wenn das “Menschenrudel” auf Tour geht … Welpen erst auf einem gewohnten Löseplatz lösen lassen und dann mit.
Zu allem, was irgendwie möglich ist mitnehmen …
Das ist das Schönste für solch ein kleines Fellknäul … Gesellschaft mit Menschen und hin und wieder auch zu passenden Artgenossen, ein Grundbedürfnis eines jeden Hundes.
So lernt man sich ganz schnell und gut kennen.

Viel Spaß dabei!

Und falls Sie mal nicht weiterwissen oder in Verzweiflung einfach reden wollen …

Tel. 035471 20403