Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser…

Ich weiß, ihr kennt diesen Spruch anders. Für uns Hunde finde ich ihn jedoch so herum viel passender.
Immer wieder hört man von Hundebesitzern mit Hund, dass ihnen u.a. von Hundetrainern suggeriert wird, dass sie keine Bindung zu ihrem Hund haben.
Unabhängig davon, dass das wohl jeden auch noch so unsentimentalen Menschen auch irgendwie kränkt, entspricht dies auch meistens überhaupt nicht der Wahrheit.
Ihr versorgt eure Hunde, ihr gebt ihnen einen sicheren Schlafplatz, ihr kümmert euch um seine Gesundheit und ihr habt ja alle auch eure Hunde auf verschiedene Weise gern, sonst hättet ihr ja gar Keinen, oder?

Alles das gehört doch zu einer Bindung mit dem Hund. Ich denke, das Fehlen dieser Beziehungspunkte zu einem Hund gibt es heutzutage nur noch in tierschutzrelevanten Extremfällen.
Bindung ist sicher ausbaubar, aber keine Bindung geht nicht wirklich.
Lasst euch von solchen Sprüchen also nie die Motivation nehmen, früher oder später ein Dreamteam zu werden.
 


 

Woran es in so manchen Mensch-Hund-Beziehungen mangelt ist meistens Vertrauen von uns Hunden. Ihr alle habt es schon mal erlebt oder gesehen. Der Hund erschrickt sich vor irgendetwas und sucht jetzt leider nicht Unterstützung oder Schutz bei seinem Besitzer, sondern flüchtet. Hier fehlt einfach noch das Vertrauen von uns Vierbeinern zu euch.

Vertrauen kann man aber aufbauen. Es entsteht nicht von heute auf morgen, es muss wachsen. Es wird genährt von Erfahrungen und Eindrücken. Vertrauen kann man auch nicht erzwingen oder gar kaufen, auch nicht mit den tollsten Leckerchen der Welt.
Vertrauen ist ein Gefühl ohne Bedingungen.

Der Aufbau des Vertrauens zwischen Mensch und Hund ist ähnlich dessen von Menschen untereinander. Man muss es sich erarbeiten.
Wenn z.B. solch ein kleiner Welpe, wie meine Zwerge bei euch einzieht, gibt es oft das Problem, dass bei den ersten Gassirunden das Weggehen vom heimischen Grundstück schwierig ist.
Die kleinen Racker hängen im Halsband oder Geschirr und haben die Handbremse fest angezogen, bewegen sich keinen Schritt nach vorn.

Diese Welpen wissen einfach noch nicht wo es jetzt langgeht. Sie sind in ihrem neuen zu Hause angekommen und fühlen sich hier nach einem aufregenden Umzug erstmal wieder sicher. Es gibt ein schönes Hundebettchen, es gibt Fresschen, es gibt Kuschel- und Spieleinheiten. Plötzlich soll dieser kleine Racker wieder raus hier und in eine unbekannte Gegend. Völlig normal, dass hier der Eignschutzmechanismus aktiviert wird.
 


 

Nehmt doch den Welpen deshalb bei den ersten Gassirunden liebevoll in den Arm und tragt ihn einfach erstmal von eurem Grundstück weg. Bis zu einem gewissen Alter ist das sicherlich kein Problem. Spätestens wenn diese Last nicht mehr zu tragen ist, sollte ihr Vertrauen zueinander aufgebaut haben, sonst wird es nicht nur schwierig, sondern auch albern.

Ihr setzt den Welpen dann an eurem ausgewählten Gassiplatz ab und lasst ihn entspannt sein Geschäft verrichten. Ist er auch hier noch angespannt, legt ihr einfach eine Hand vorne an die Brust an und die andere oben auf dem Rücken. Das Ganze gleicht so ein bisschen einer Umarmung und wird ohne Einengung, ohne Stericheln, ohne Klopfen auf den Hund und auch ohne ein zutexten eurem Liebling irgendwann ein sicheres Gefühl in eurer Nähe geben. Der Gang in Richtung Heim geht dann meistens ganz schnell und unproblematisch.

Genau das ist es, was ein Hund dann an Erfahrung sammelt. Die Menschen bieten mir Schutz und Geborgenheit. Eine ständige unkontrollierte Konfrontation mit der für euren Hund beängstigenden Situation oder auch ein völliges Ignorieren ist hier schlicht und einfach fehl am Platz. Wir Hunde speichern in solchen Fällen nur ab, dass auch ihr diese Situation nicht meistern könnt und wir werden euch somit als Rudeltier nicht vertrauensvoll folgen.
 


 

Ein alltäglicher Fehler wird z.B. auch oft in der Hundebegegnung gemacht. Jeder Hund ist anders. Wie euer Hund nun genau ist, erkennt ihr gut durch aufmerksames Beobachten. Wenn euer Hund bei einer Hundebegegnung eher stehen bleibt oder gar den Rückwärtsgang einlegt, ist es überhaupt nicht hündisch, mit diesem schon voll mit Unsicherheit bepackten Hund direkt auf den entgegenkommenden Hund zuzusteuern und somit dem eigenen Hund vermitteln zu wollen, das ist gar nicht schlimm. Null Erfolgschancen für ein Vertrauen. Glaubts mir, für eueren Hund seid ihr einfach in dieser Situation zu doof.

Hunde machen in solchem Fall einen großen Bogen um diesen Atemschocker. Wechselt ihr also am besten auch die Richtung oder geht mit euch als Schutzwall zwischen den Hunden ebenfalls im Bogen selbstbewusst und zügig an dem Element des Schreckens vorbei. Setzt euch und euren Hund nicht diesem nutzlosen Stress aus und versucht die beiden Hunde zu Freunden zu machen. Es gibt neue Hundebegegnungen, die anders verlaufen.

Ist eure Fellnase eher der große Max mit dicker Hose, gilt es auch bei der Hundebegnung angemessene Grenzen zu setzten. Sobald euer Hund also nur daran denkt, vorzuschießen und dem Gegenüber die Meinung zu geigen, bekommt er einen Stieper an der Brust oder in die Flanken eventuell wieder mit einem knappen verbalen Verstärker, wie Hey oder aus. Auch hier ist ein Schutz angebracht. Mit dem Menschen als Schutzwall und dem Kurzhalten des sich überschätzenden eigenen Hunde, maschiert ihr einfach im kleinen Bogen an dieser Situation vorbei.
Eine direkt Kehrtwendung ist in diesem Fall nicht so empfehlenswert, weil euer Hund dann den Eindruck gewinnen könnte, ihr kriegt das auch nicht hin und wird auch in Zukunft solche Situationen immer für euch klären wollen.

Dieses Händling funktioniert übrigens nicht nur bei meinen Welpen so. Auch Hunde mit bereits etwas aggressiven Zügen bei Hundebegnungen können Vertrauen noch lernen, wenn denn auch ihre Besitzer den hündischen Umgang mit solchen Situatonen annehmen. Bekanntlich lernt man ja nier aus.
 


 

So Leute ich muss nun auch mal was klären, nämlich wie das mit dem Vertrauen hier bei uns eigentlich so ist. Denkt man nicht, dass das auf solch einem Hundehof immer alles perfekt läuft. Wir sind schließlich auch nur Menschen und Hunde. Ich versuche meinem Frauchen hier ja eigentlich täglich etwas beizubringen. Sie lernt aber sehr schwer.

Bis morgen dann,
eure Rapunzel

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