Alle Jahre wieder…

…kommt nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch der böse Silvesterschreckengeist.
Genau in 2 Wochen ist es wieder soweit. Das alte Jahr wird mit lauter Knallerei und für euch Menschen meist betörenden Feuerwerken zu Grabe getragen.
Unter anderem auch unter uns Hunden gibt es einige Vertreter, die sich bei diesen Zeremonien auch lieber beerdigen lassen würden, als sie zu ertragen.
Dennoch wird es auch dieses Jahr wieder ein Silvester geben und ich möchte, auch wenn ich meine Stammleser damit inzwischen vielleicht schon langweile, doch wieder ein paar Gedanken dazu loswerden.
 


 

Da sind wir schon beim ersten Punkt, bei den Gedanken. Quer durchs Internet kann man sie jetzt überall lesen, die grandiosen Erfahrungsaustausche von Hundebesitzern.

„Mein Hund hat schreckliche Angst vor Silvester, was kann ich tun.“

In sekundenschnelle gibt es gefühlte 100 Antworten auf diese Frage mit mindestens 50 verschiedene Varianten und auch Erfahrungen, wie, wer seinen Hund zu Silvester helfen konnte.
Nun gut, ich stelle mir gerade mal vor, wie viele Silvester ein Hund nun erleben muss, um alle diese Dinge auszuprobieren. Völlig unbeachtet wird hier dann meiner Meinung nach auch wieder, dass tatsächlich jeder Hund auch anders ist.

Aber bleiben wir mal einfach bei den Gedanken. Ich z.B. spüre genau, wenn mein Frauchen mal schlecht drauf ist. Das muss man als Hund auch, schließlich ist es bei schlechter Laune meines Frauchens echt besser, ihr möglichst aus dem Weg zu gehen.
Oder nehmen wir mal Nervosität. Ich lege mich, wenn meine Frauchen in Hektik gerät erstmal ganz ruhig und still auf den Boden und beobachte den Fall möglichst aus der Ferne. Wenn dieses „Gewitter“ von dannen zieht, bewege auch ich mich wieder. Man könnte das alles Telepathie nennen. Ich nenne es einfach kluge Entscheidungen aus meinen Erfahrungen der nun sagen wir mal mindestens 750 Tagen meines mittlerweile 821 Tage alten Hundelebens. Wir beobachten euch Menschen schließlich den ganzen Tag und ganz ehrlich, oftmals kennen wir euch schon nach den ersten Jahren besser als ihr euch selbst manchmal.

Zurück zu Silvester. Wenn ihr euch also schon lange vor dem eigentlich Ereignis ständig mit den Gedanken tragt, wie wird es man nun dieses Jahr Silvester wieder werden oder ob ihr vielleicht mal dieses und jenes ausprobiert, um euren Fellnasen den Stress vor Silvester zu nehmen, dann spüren wir Hunde diesen Unmut in euch bereits. Wir werden also da schon mit nervös und bauen eine gewisse Spannung ebenfalls schon vor dem eigentlichen Tag auf.

Gut, ganz ohne Vorbereitung geht natürlich nichts. Aber wer seinen Hund kennt, für den wird auch diese Vorbereitung zum Alltag bzw. zu genau diesem „Alle Jahre wieder“.
Wesentlich für diese Vorbereitungen sind erstmal auch die Einschätzungen, wie ängstlich genau ist euer Hund. Es gibt da die richtig schweren Fälle mit völligem Einfrieren, panischen Bewegungsattacken, unkontrolliertem Lösen, unendlichen Brechreizen bis zur Zerstörung von Gegenständen und Mobiliar. Mit diesen Hunden rate ich nicht herumzuexperimentieren, sondern sich schon in tierärztliche Hände zu begeben um durchaus auch ihr echtes Leiden mit einem Psychopharmaka zu lindern. Trotz seinem Ruf haben Psychopharmaka fachgerecht eingesetzt nichts mit Verantwortungslosigkeit zu tun.

Bei den weniger schweren Fällen kann man durchaus mit homöopathischen Mitteln agieren. Wenn schon allein die Gabe solcher Mittel euch Hundehalter beruhigt, wirkt es sicherlich auch etwas entlastend für den jeweiligen Hund. Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung von Pheromonen in Form von Verdampfern oder auch Halsbändern. Baldrian findet als Heilmittel zur Beruhigung und als Schlafmittel schon über viele Generationen seine Anwendung. Dies und noch viel mehr kann man sicherlich unbedenklich ausprobieren.

Meine Meinung über angebotene Geräuschtherapien möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter ausbauen. Zum einen hat meine Frauchen die Erfahrung gemacht, dass sich bei solchen Trainingsmethoden vor allem erstmal die Menschen gewandelt haben. Ändert sich der Mensch, ändert sich auch der Hund. Es kann also unter bestimmten Umständen, wie jedes Training und jede Beschäftigung mit dem Hund, durchaus erfolgreich sein. 14 Tage vor dem großen Knall ist solch eine Training jedoch nicht wirklich vielversprechend für einen entspannten Start in das neue Jahr.

Vielleicht habt ihr auch schon mal etwas von einem Thunder-Shirt gehört. Ich finde diese Idee an sich ja genial. Dieses Shirt verpasst dem Hundekörper durch seinen sanften Druck eine beruhigende Massage. Ja Leute und da komme ich dann mal zu des Pudels Kern bzw. meine echte Meinung.
 


 

Kein Mensch von euch würde auf die Idee kommen, sein ängstliches Kind bei Silvesterknallerei allein zu lassen. Von einem Aussperren in einen extra Raum, weil ein Kind sich vor lauten Geräuschen fürchtet habe ich zum Glück auch noch nie etwas gehört. Kinder bekommen in solchen Situationen den Schutz ihrer Eltern oder Aufsichtspersonen. Diese nehmen das ängstliche Wesen meist beruhigend in ihre Arme und vermitteln mit körperlichen Kontakt Wohlbefinden und Schutz vor allen äußeren Einflüssen.

Warum also tut ihr Menschen sowas nicht einfach zu Silvester auch mit uns? Warum gebt ihr uns nicht aus eurer Hand eine beruhigende Massage, statt uns solch einen Fummel, wie ein Thunder-Shirt zu verpassen oder uns als Versuchskaninchen für teilweise doch fragwürdigen Mittelchen zu benutzen. Allein die Nähe und Berührung mit ihren Menschen hilft vielen Hunden, sich trotz Feuerwerk geborgen zu fühlen.
 


 

Ja klaro…ihr wollt ja schließlich Silvester feiern, verstehe.

Nein ist gelogen.

Verstehe ich nicht.

Ihr habt doch nun mal einen Hund. Ihr wolltet einen Hund.
Warum also verbringt ihr Silvester nicht auch mit eurem Hund. Wir gehören sonst zu eurer Familie und werden in vieler Hinsicht oft auch ein wenig vermenschlicht. Silvester ist oft etwas anderes.

Ganz ehrlich, verstehe ich nicht.
Für mich gibt es eigentlich hier nur eine einzige Ausnahme. Statt seiner Besitzer kommt die Fellnase in die Hände einer guten Ersatzbetreuung. Das können Oma, Opa oder sonstige bekannte Verwandte sein, die statt ihr selbst dem Hund auch einen persönlichen Halt durch die Silvesternacht geben. Auch eine wirklich dem Hund zugewandte Betreuung in einer Hundepension ist durchaus denkbar. Hilfreich ist dabei, wenn der Hund diese vielleicht auch schon vor Silvester kennengelernt hat. Hier spreche ich natürlich ein bisschen aus eigenen Erfahrung. Die Silvesterpartys auf unserem Retrieverhof sind inzwischen schon immer ziemlich lange ausgebucht.

So, Leute soweit mein Statement zum Thema Silvester. Ein paar Tage haben wir noch bis dahin. Davor gibt es noch die letzte Adventswoche und dann das Weihnachtsfest. Also immer schön eins nach dem anderen.
 


 

Bei uns ziehen diese Woche die ersten Weihnachtsgäste in die Hundepension ein. Ich muss schon mal schauen, wer da so dabei ist. Auch hier gibt es einige mir schon bekannte Stammgäste.
Nein, nein…nix da mit böse Menschen wie…“Geben an Weihnachten einfach ihre Hunde ab.“
Hier muten die Besitzer ihren Hunden einfach nicht die stundenlangen Autofahrten zu, wenn an Weihnachten die liebe Verwandtschaft in weiter Ferne besucht wird und die Hunde dann bei diesen Familientreffen auch tatsächlich eher eine untergeordnete Rolle spielen. Da ist ein Toben und Tollen mit Artgenossen auf dem Retrieverhof viel angenehmer und auch ein bisschen Verwöhnen steht hier immer mit auf dem Programm.

Ich schau dann mal, ob alle Vorbereitungen dafür inzwischen gut laufen.

Bis morgen dann,
eure Rapunzel

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