Kommt er oder kommt er nicht…

Ich meine damit noch nicht den Weihnachtsmann. Der kommt in 3 Tagen ganz bestimmt. Wenn ich Glück habe kommt er sogar zu mir.
Das Leben ist ja schon ein bisschen auch mit Glück verbunden. Ja, so ein Hund wie ich hat z.B. Glück, dass ich Familie habe, die mich füttert, streichelt und unendlich gerne hat.
Aber auch einem rumänischen Straßenköter begegnet jeden Tag in irgendeiner Form das Glück, wenn er wieder einen Tag überlebt und sogar etwas zum Futtern gefunden hat.
Glück liegt also immer irgendwie auch in der Hand des Betrachters.
Eine entscheidende Sache bei uns Familienhunden sollte ihr jedoch besser nicht dem Glück überlassen.
 

Den Rückruf

 

Wir Hunde haben uns über die vielen Jahre im Zusammenleben mit euch Menschen ja bereits als die anpassungsfähigsten Wesen überhaupt rausgestellt. Dennoch gibt es in eurer manchmal schon komischen Menschenwelt tatsächlich viel für uns nicht einschätzbare Situationen, die uns natürlich auch schnell mal in Gefahr bringen können. Genau hier kommt ihr als unsere Besitzer wieder in Spiel. Ihr solltet uns als Hundeführer schon sicher durch diese manchmal abenteuerliche Welt führen. Schließlich sind wir ja als eure Familienhunde ein gemischtes Mensch-Hund-Rudel und wenn alles gut laufen soll, wäre es nicht schlecht, wenn ihr auch unsere Rudelführer in dieser Konstellation seid.
 


 

Natürlich brauchen wir als Hunde dabei auch unsere Freiheit, wollen wir u.a. schnüffeln, rennen und toben. Genau dabei gibt es aber oftmals Situationen, die wir noch oder auch gar nicht überschauen können. An dieser Stelle sollte es mit einem Rückruf von uns Hunden schon funktionieren.
Ja, oftmals wird bereits beim Einzug eines Welpen sofort mit einer Ausbildung begonnen. Die neuen Besitzer möchten schließlich alles richtig machen und auch schnell einen gut erzogenen Hund an ihrer Seite. Ich habe euch ja schon hinter vergangenen Kalendertürchen versucht zu erläutern, dass z.B. auch für eine gute Ausbildung eines Hundes eine gute Beziehung vieles erleichtert.
Ein gut funktionierender Rückruf ist u.a. der Spiegel einer guten Beziehung. An dieser Stelle sei aber auch mal erwähnt, dass es 100% nie und nirgends gibt, denn dann wären wir Roboter und keine Lebewesen mehr.

Eine gewisse Verlässlichkeit beim Abrufen ist jedoch schon teilweise auch überlebenswichtig. Oftmals gibt es genau an dieser Stelle jedoch arge Schwierigkeiten. Der Hund ist in seinem Schnüffelmodus und hat seine Ohren völlig auf Durchzug, wenn er von seinen Besitzern gerufen wird. Diese trainieren jetzt den Rückruf wieder auf Teufel komm raus. Das muss doch klappen, verdammt noch mal.
Und siehe da, nach ein paar mal üben und einen Pfund leckere Hühnchenfilethappen ist auch der Erfolg sichtbar. Der Hund kommt sofort, wenn er gerufen wird, wenn da nicht…
Genau, wenn da nicht noch eine viel größere bzw. auch mal völlig neue Ablenkung auftaucht, wessen der man auch die leckerste Belobigung durchaus ein bisschen warten lassen kann. Schließlich gibt es die ja immer.
Eins zu Null für uns Hunde, Runde zwei kann beginnen.

Ich möchte euch an dieser Stelle einfach mal ein paar Tipps geben, was ihr beim Trainieren eines Abrufen eurer Fellnasen möglichst vermeiden solltet:

1. Das Rufen mit dem Namen
Ihr Menschen setzt oftmals voraus, dass wenn man den jeweiligen Namen ruft, der Gerufene auch kommt. Dieses Buch haben wir Hunde noch nicht gelesen, sprich wir wissen davon nichts. Bitte setzt daher nicht voraus, dass wir wissen, was ihr von uns wollt, wenn ihr unsere Namen ruft. Wir hören euch ständig etwas reden und das hört sich auch immer gleich an. Wenn wir dann in eure Nähe kommen, winkt sofort ein Leckerchen. Folglich folgen wir natürlich diesem unserem Namen, wenn…genau wenn wir mal eine Belohnung wollen und nichts Spannenderes im Umfeld passiert.

2. Unendliches Reden
Ihr Menschen braucht es, das ständige Reden. Ich kann das mittlerweile ja verstehen. Mein Frauchen redet auch ohne Punkt und Komma. Bitte versucht jedoch auch mal nachzuvollziehen, dass wir bei dem permanenten Gequatsche irgendwann aussteigen. Warum sollen wir dann also hören, wenn ihr plötzlich „hier“ ruft, weil ihr uns aus einer Gefahr holen wollt?
 


 

3. Zu schnelles Ableinen
Hunde, die nicht zuverlässig abrufbar sind, sollten nicht schon beim Start einer Spazierrunde die große Freiheit bekommen. Eine gute Leinenführung baut das Verhältnis zum Besitzer sehr gut auf. Ich empfehle immer erst eine gute Leinenführung mit Leine, gefolgt von einer Folge des Hundes direkt beim Menschen ohne Leine und dann erst den Start in eine selbständige Bewegung.
Wer hier nicht weiß, wie er das tatsächlich umsetzen kann, dem empfehle ich am besten mal eine Stunde Hundeschule bei meinen Frauchen. Sie zeigt euch direkt an eurem Hund, wie das funktionieren kann.

4. Ungeduld
Schon Friedrich Schiller sagte:
Die Zeit bringt Rat, Erwartet´s mit Geduld! Man muss dem Augenblick auch was vertraun.
Wie bei den meisten Übungen mit Hund werft ihr Menschen viel zu schnell die Flinte ins Korn. Klappt etwas nicht nach euren Vorstellungen, gebt ihr meistens auf und überlasst es einfach dem Zufall. Bleibt vor allem bei diesem Thema dran. Kein Hund braucht zum Beispiel in wahren Leben ein auf Kommando folgendes exaktes Sitz. Wozu auch genau frage ich euch mal ehrlich an dieser Stelle. Ein nicht funktionierender Rückruf birgt schon unter Umständen seine echten Gefahren.
 


 

5. Abrufen immer als Ende jeder Vorstellung
Auch wir Hunde Verfestigen unser Erlerntes durch Wiederholung. Wenn ihr uns also beim Training z.B. immer in den spannendsten Situationen abruft und wir genau dann an die Leine müssen, lernen wir ziemlich schnell, genau jetzt ist Schluss mit lustig. Ihr Menschen meint das tatsächlich ja auch so, denn ihr habt eine gewisse Voraussicht. Wir Hunde leben im hier und jetzt und deuten, wenn mich meine Herrschaften rufen muss ich alles noch ein bisschen genießen, denn wenn ich zu ihnen laufe, wird der Spaß umgehend beendet. Also bitte ruft uns Hunde doch auch mal einfach so zwischendurch und gebt uns dafür dann z.B. ein freundliches Lächeln oder ein kurzes Streicheln.

6. Training nicht immer an gleichen Orten und Stellen
Oftmals geht ihr mit euren Hunde für ein Rückruftraining auf Feld, Wiesen und Wälder. Baut einen gewissen Rückruf jedoch mal in alle Lebenslagen mit ein. Auch in der Wohnung kann man den Hund mal von einem in das andere Zimmer rufen und tatsächlich auch mal, wenn wir schlafen.
 


 

Soweit ein paar hündische Einblicke auf das Thema Rückruf des Hundes von mir.
Erich Kästner formulierte es mal ganz passend:
Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.
In diesem Sinne probiert es einfach mal mit euren Fellnasen aus. Ich wünsche euch viel Erfolg dabei. Vielleicht schreibt ihr mir sogar mal, wie es bei euch so mit dem Rückruf klappt.

Bis morgen dann,
eure Rapunzel

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